Werbung für Glücksspiel als Influencer - wann Promo-Codes strafbar werden
Promo-Code statt Strafe? Warum Glücksspiel-Werbung für Creator gefährlich ist
Ein kurzer Story-Post, ein Link in der Bio, ein Promo-Code für einen Wettanbieter oder ein Online-Casino: Für viele Influencer und Streamer ist das schnelles Geld und scheinbar harmloses Affiliate-Marketing. Was die wenigsten wissen: Wer in Deutschland für ein hier nicht erlaubtes Glücksspielangebot wirbt, kann sich strafbar machen, und zwar nicht nur der Anbieter, sondern auch der werbende Creator selbst.
Dieser Beitrag erklärt, wann Werbung für Glücksspiel die Grenze zur Strafbarkeit überschreitet, worauf es bei der fehlenden Lizenz des Anbieters ankommt, welche Rolle der Wohnsitz spielt und was zu tun ist, wenn bereits ein Verfahren droht. Er richtet sich an Creator, die wissen wollen, wo die rote Linie verläuft.
Worum es rechtlich geht
In Deutschland ist Glücksspiel streng reguliert. Maßgeblich sind der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV) und das Strafrecht. § 284 StGB stellt das Veranstalten eines Glücksspiels ohne behördliche Erlaubnis unter Strafe und erfasst ausdrücklich auch die Werbung für ein solches unerlaubtes Glücksspiel.
Der entscheidende Punkt ist die Erlaubnis. Seit der Reform des Glücksspielrechts gibt es ein Lizenzsystem für Sportwetten und bestimmte Online-Angebote. Anbieter, die keine deutsche Erlaubnis besitzen, dürfen sich in Deutschland nicht an Kunden richten, und für ihre Angebote darf hier nicht geworben werden. Konkret sieht § 284 Abs. 4 StGB für die Werbung für ein unerlaubtes öffentliches Glücksspiel eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe vor. Genau hier entsteht das Risiko für Creator.
Warum auch der werbende Creator betroffen ist
Viele gehen davon aus, dass nur der Glücksspielanbieter ein rechtliches Problem hat. Das ist ein Trugschluss. Wer aktiv mit einem eigenen Promo-Code oder Affiliate-Link für ein in Deutschland nicht erlaubtes Angebot wirbt, leistet einen eigenen Werbebeitrag. Damit kann der Creator selbst in den Fokus der Ermittlungen geraten.
Anders als bei klassischer Schleichwerbung geht es hier nicht nur um wettbewerbs- oder medienrechtliche Fragen, sondern potenziell um Strafrecht. Der eigene Code, über den Provisionen abgerechnet werden, ist dabei oft der klarste Nachweis, dass eine aktive, monetarisierte Werbung vorlag.
"Viele Creator glauben, ein Promo-Code sei nur ein Marketing-Tool. Strafrechtlich kann genau dieser Code zum stärksten Beweis gegen sie werden. Wer hier wirbt, sollte vorher wissen, ob der Anbieter in Deutschland überhaupt erlaubt ist."
- →Tom Beisel, Rechtsanwalt
Die Lizenz des Anbieters ist der Knackpunkt
Ob Werbung strafbar ist, hängt maßgeblich davon ab, ob der beworbene Anbieter über eine deutsche Erlaubnis verfügt. Werbung für ein lizenziertes, in Deutschland zugelassenes Angebot ist innerhalb der gesetzlichen Grenzen grundsätzlich zulässig. Werbung für einen Anbieter ohne deutsche Lizenz, der sich aus dem deutschen Markt zurückgezogen hat oder hier nie zugelassen war, ist dagegen hochriskant.
Das Problem in der Praxis: Viele Creator prüfen den Lizenzstatus nie. Sie übernehmen einen Affiliate-Deal, ohne zu wissen, ob der Anbieter in Deutschland überhaupt werben darf. Genau diese fehlende Prüfung kann teuer werden.
Auch Ihre Community trägt ein Risiko
Was viele Creator nicht bedenken: Es ist nicht nur die Werbung strafbar. Wer sich an einem unerlaubten öffentlichen Glücksspiel beteiligt, also selbst mitspielt, kann sich nach § 285 StGB strafbar machen, mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder Geldstrafe. Wer also seine Follower über einen Promo-Code zu einem in Deutschland nicht erlaubten Anbieter lotst, setzt nicht nur sich selbst einem Risiko aus, sondern auch die Menschen, die ihm vertrauen.
Diese Verantwortung gegenüber der eigenen Community wird oft übersehen. Sie ist aber ein guter Grund, vor jeder Glücksspiel-Kooperation genau zu prüfen, ob der Anbieter in Deutschland überhaupt erlaubt ist.
Der Wohnsitz zählt, nicht der Drehort
Ein verbreiteter Irrglaube ist, dass ein Aufenthalt im Ausland, etwa in Dubai, vor deutschem Recht schützt. Das ist gefährlich vereinfacht. Wer seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat oder sich gezielt an ein deutsches Publikum richtet, kann auch dann dem deutschen Recht unterliegen, wenn der Content im Ausland produziert wird. Die deutschsprachige Ausrichtung an deutsche Follower ist hier oft das entscheidende Kriterium.
Was tun, wenn bereits ein Verfahren droht
Wenn Sie eine Vorladung, eine Anfrage einer Behörde oder Post von der Staatsanwaltschaft erhalten, gilt dasselbe wie in jedem Strafverfahren: keine vorschnellen Angaben zur Sache, keine Erklärungsversuche per E-Mail oder Telefon, und zuerst anwaltlicher Rat. Gerade weil Promo-Codes, Affiliate-Abrechnungen und Posts dokumentiert sind, ist eine durchdachte Verteidigungsstrategie wichtig, statt spontaner Rechtfertigung.
Oft lässt sich an der Frage ansetzen, ob tatsächlich vorsätzlich für ein unerlaubtes Angebot geworben wurde, ob der Creator den Lizenzstatus kannte und ob überhaupt ein hinreichender Inlandsbezug besteht. Diese Punkte sind im Einzelfall zu prüfen.
Häufige Fragen
Mache ich mich strafbar, wenn ich für einen Wettanbieter werbe?
Das hängt davon ab, ob der Anbieter eine deutsche Erlaubnis hat. Werbung für ein in Deutschland nicht erlaubtes Glücksspielangebot kann nach § 284 Abs. 4 StGB strafbar sein, auch für den werbenden Creator.
Schützt mich ein Wohnsitz oder Dreh im Ausland?
Nicht zwingend. Wenn sich Ihre Werbung an ein deutsches Publikum richtet oder Sie Ihren Aufenthalt in Deutschland haben, kann deutsches Recht anwendbar sein.
Reicht es, den Promo-Code wieder zu löschen?
Das Löschen kann sinnvoll sein, beseitigt aber eine bereits begangene Tat nicht rückwirkend. Lassen Sie die Lage anwaltlich prüfen, bevor Sie unüberlegt handeln.
Was soll ich tun, wenn ich eine Vorladung bekomme?
Keine Angaben zur Sache machen und zuerst anwaltlichen Rat einholen. Versuchen Sie nicht, die Sache selbst gegenüber der Polizei zu klären.
Sie sind Creator und unsicher, ob Ihre Kooperationen rechtlich problematisch sind, oder es droht bereits ein Verfahren? Holen Sie frühzeitig anwaltlichen Rat ein, bevor aus einem Werbedeal ein Strafverfahren wird. Ich berate und verteidige Sie diskret und bundesweit. Nehmen Sie direkt Kontakt auf.
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